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Verbindungen von Tür zu Tür immer dabei
Bei Autofahrern ist es seit wenigen Jahren selbstverständlich, ein Navigationssystem. Fahrgäste in Bus und Bahn haben seit Frühjahr 2007 ihr eigenes Navi: Mit dem Handy den aktuellen Standort per GPS orten (oder manuell eingeben), Zieladresse wählen, Verbindung anfordern - und losfahren. Der Fahrplan ist jederzeit ohne erneute Mobilfunkverbindung abrufbar. Für die letzten Meter zu Fuß am Zielort ist ein Stadtplan gleich dabei.
Die Handy-Software dafür heißt DB Railnavigator. Das "DB" im Namen verspricht eher zu wenig, denn das System funktioniert nicht nur für Zugverbindungen, sondern auch mit örtlichen Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Linien deutschlandweit.
Für beliebige Verbindungen in ganz Deutschland Fahrpläne im Handy-Internetbrowser aufzurufen, ist seit Jahren kein Problem. Im Gegensatz dazu bietet der Railnavigator sehr interessante neue Möglichkeiten:
Einige Bildschirmfotos zeigt Andreas Weinberger in seinem inzwischen eingestellten Blog.
Die Liste der Möglichkeiten des Railnavigators ist beeindruckend und tatsächlich ist diese Software eine ausgezeichnete Hilfe, sich mit Bus und Bahn zu Zielen durchzuschlagen, an denen man ortsfremd ist. Allein die Möglichkeit, auch unterwegs Fußwegbeschreibungen von einer Haltestelle zum eigentlichen Ziel inklusive eines Stadtplans zu bekommen, reduziert so manche Situation früherer Orientierungslosigkeit enorm. Kleinigkeiten wie die automatische GPS-Ortung helfen ebenfalls weiter.
Weitere Features wünscht sich der gemeine Fahrgast jedoch noch: so werden derzeit zwar Zugverspätungen angezeigt, aber die aktuelle Verbindung wird an die Verspätungslage nicht angepasst. Wenn man Glück hat, erfährt man noch, dass der Anschlusszug ebenfalls verspätet ist. Falls die Umsteigezeit jedoch nicht mehr ausreicht, muss man für die verbleibende Teilstrecke eine neue Verbindungsabfrage starten.
Während in der Schweiz ein "Alternativrouting" verfügbar ist, müssen Nutzer des Railnavigators darauf noch warten. Die DB müsste dazu das Modul HAFAS-RealTime in ihre Fahrplanauskunft integrieren, was bisher nicht geschah. Solange also die Web-Auskunft bei den Verbindungen zwar die Zugverspätungen anzeigt, aber die Verbindungsauskunft nicht anpasst, wird auch im Railnavigator nach Anschlussverlust die manuelle, neue Abfrage nötig bleiben.
Ein Hörfunkbeitrag im WDR vom Januar 2010 macht allerdings Hoffnung: eine Echtzeitauskunft sei geplant, dazu wird jedoch nicht HAFAS-RealTime eingesetzt werden, sondern die DB entwickele mit dem Lehrstuhl Informatik 4 der RWTH ein eigenes System. Dieses soll auch ein weiteres wünschenswertes Feature enthalten, den Push-Dienst für Verspätungen, der sich selbsttätig bei Fahrplanabweichungen meldet. Das bedeutet, dass man im Railnavigator eine Verbindung als die eigene definiert und automatisch eine Nachricht bekommt, wenn sich der erste Zug verspätet, so dass man nicht unnütz zum Bahnhof hetzen muss.
Noch besser wäre es, dass die Verspätungsanzeige auch für Nahverkehrsmittel wie Busse und U-Bahnen funktioniert. Da aber nur wenige lokale Verkehrsunternehmen solche Daten überhaupt zur Verfügung stellen, kann man hier nur auf die langfristige Entwicklung setzen. Schlimmer noch, auch die Verspätungsdaten nur weniger privater Eisenbahnverkehrsunternehmen werden über die DB-Systeme an die Fahrgäste weitergegeben.
Der Railnavigator, noch ohne Fahrplandaten, ist etwa 180 kB groß. Ebenso ist das Herunterladen am Computer mit anschließendem Aufspielen auf das Handy möglich.
Jeder Gesamtfahrplan zwischen zwei Orten schlägt mit maximal 20 kB zu Buche, jeder Stadtplan mit bis zu 200 kB und jede Verspätungsabfrage mit ca. 1 kB. Leider stellt der Railnavigator sehr oft Verbindungen ins Internet her, so zum Beispiel beim Wechsel der Sprache oder Suchen eines neuen Haltestellennamens. Da das Programm die Internetverbindung nach jeder dieser Abfragen wieder trennt, ist zwar das Datenvolumen gering, trotzdem müssen wie beim Minutentakt in der Sprachtelefonie "angebrochene" Datenblöcke voll bezahlt werden. Beispielsweise sind dies bei manchen Verträgen von T-Mobile und Vodafone je Abruf mindestens 100 kB, die bezahlt werden müssen, auch wenn nur wenige Kilobyte geladen wurden. Eine erste Tarifübersicht bietet teltarif.de.
Beim Download von Fahrplänen und Karten wird die heruntergeladene Datenmenge konkret angezeigt, so dass sich die Kosten halbwegs schätzen lassen.
Die Handy-Seiten der DB erlauben unter dem Menüpunkt "Railnavigator" den Download der Software mit einigen vorbereiteten Bahnhöfen, aber ohne spezielle Verbindungen.
Alternativ kann eine im Web vorgewählte Route zwischen zwei Bahnhöfen bzw. Haltestellen bereits enthalten sein, die zusammen mit der Software installiert wird. Bei dieser Webanfrage sind noch keine Auskünfte zwischen Adressen möglich.
Nach dem Download des Railnavigators für eine einzelne, auf der DB-Webseite vorgewählte Verbindung müsste der Download weiterer Verbindungen eigentlich über das Handy selbst erfolgen. Doch es geht auch anders. Es ist nämlich möglich, den Railnavigator-Download am PC mit anschließender Übertragung auf das Handy beliebig oft zu wiederholen und sich beispielsweise 20 Railnavigatoren mit unterschiedlichen Verbindungen zu erstellen. Beim Aufspielen auf das Handy fragt die Software danach, den bereits vorhandenen Railnavigator zu ersetzen - stimmen Sie zu! Anschließend wird gefragt, ob vorhandene Dateien beibehalten werden sollen - auch zustimmen! So bekommt man pro Installation immer eine Verbindung hinzu.
Bei manchen Nokia-Handys berichten mehrere Leser, dass für diese Prozedur nur einmal die vorhandene Version überschrieben werden kann. Dann muss der Railnavigator kurz gestartet werden, anschließend kann man die nächste Version überschreiben. Andernfalls werden alle Versionen nach der ersten überschriebenen ignoriert.
Im Web gibt es eine eigene Seite zum DB Railnavigator. Auf dieser Seite findet sich auch der Link zu einem Benutzerhandbuch im PDF-Format. Die Beschreibung der Neuerungen von Version 5.84.4 wurde von den Autoren etwas lieblos im kurzen Kapitel 9.8 angefügt, doch sind damit nun alle aktuellen Merkmale dokumentiert und beschrieben.
Das Benutzerhandbuch auf der Hilfe-Seite der DB ist noch auf dem Stand von Mai 2009. Dort werden die damals neuen Funktionen der Version 5.84.4 etwas lieblos im nachträglich eingefügten Kapitel 9 beschrieben. Die Version 6 erwähnt das Benutzerhandbuch bisher noch nicht. Allerdings wird selbst auf der Webseite zum Railnavigator noch "Das ist neu bei Version 6.00.15" aufgezählt [Stand: 17.01.2010], dort beschreibt die DB also ihren eigenen Versionsstand von vor mehr als einem halben Jahr...
Ab Herbst 2006 war über ein halbes Jahr lang das Programm Hafas2go ein fast unbekannter Geheimtipp. Entwickelt wurde es von der Firma HaCon in Hannover, die auch die Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn programmiert. Nach abgeschlossener Testphase bis zur Programmversion 2.0 verbreitet die DB das Handy-Navigationssystem Hafas2go seit Mai 2007 in der Version 2.1.2 auf ihren Webseiten unter dem Namen Railnavigator. Ab Februar 2008 war die Version 2.1.11 verfügbar, die zum kleinen Fahrplanwechsel am 15. Juni 2008 durch Version 5.40.9 abgelöst wurde. Der große Versionssprung ist für die Kunden in der Anwendung kaum bemerkbar. Mit dem großen Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2008 ging die Version 5.80.21 ins Rennen, die bereits im Februar 2009 durch 5.82.3 abgelöst wurde.
Seit Anfang April 2009 stand Version 5.84.4 zum Download bereit. Diese hat drei wesentliche Neuerungen:
Im Juni 2009 erfolgt ein Versionssprung auf 6.00.15. Dort sind nun auf den Umgebungskarten in der Zoomstufe 5 bei vielen Orten Hausnummern verzeichnet. Ansonsten gelten die oben für 5.84.4 genannten Features unverändert. Im August 2009 folgte Version 6.20.7, bei der die Schnittstellen zum eingebauten GPS-Empfänger verschiedener Handy-Modelle verbessert wurden.
Seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2009 wurde die Version 6.60.13 angeboten, die im Frühjahr 2010 von 6.80.17 abgelöst wurde.
Der DB Railnavigator - der ja wesentlich mehr Verkehrsmittel kennt als nur die Eisenbahn - ist in der Programmiersprache Java (Wikipedia-Artikel) programmiert, die von fast allen Mobiltelefonen interpretiert werden kann. Das können Billig-Handys der letzten drei Jahre sein, besonders gut geeignete Handys wie die von SonyEricsson, aber auch Smartphone-Plattformen wie Windows mobile, Blackberry oder Symbian.
Nur auf dem hochgelobten Apple iPhone können - besser: dürfen - keine Java-Programme laufen, denn dies würde den Benutzern die Möglichkeit geben, Software ohne Nutzung des Online-Shops iTunes auf einem iPhone zu installieren. Da Apple als Geschäftsprinzip die vollständige Kontrolle über installierbare Software behalten möchte, mussten iPhone-Nutzer bisher ohne den Railnavigator auskommen.
Im Dezember 2009 wurde diese Situation beendet, denn die DB veröffentlichte im Apple AppStore den DB Navigator. Die Funktionalität ist beinahe identisch mit dem DB Railnavigator, gratis ist er auch, und somit sind auch Apple-Kunden nun mit ihrem neuen Bus-und-Bahn-Routenplaner auf dem Stand von 2007 der Allerwelts-Mobiltelefonierer.
Infoseite der DB zum DB Navigator für das iPhone.
Inzwischen werden auch die anderen wichtigen Smartphone-Plattformen bedient: sowohl in der Appworld für Blackberry als auch bei Androidpit für das Betriebssystems Android von Google finden sich angepasste Versionen des Railnavigators.
Seit Mai 2008 bieten die Schweizerische Bundesbahnen unter dem Namen "SBB NaviGo" die Weiterentwicklung von Hafas2go in der Version 3 an. Wichtigste Änderungen im Vergleich zu Hafas2go Version 2 (bei der Deutschen Bahn als DB Railnavigator in Betrieb) sind:
Die Größe des Programms ist dazu von 130 kB auf etwa 200 kB gestiegen. Es erfüllt nun seinen Zweck noch besser als zuvor, da besonders die dynamische Anpassung der Verbindungsdaten an verspätete Züge für jeden Nutzer einen deutlichen Komfortgewinn darstellt.
Seitdem auch eine iPhone-Variante verfügbar ist, heißen beide Programme "SBB Mobile". Weitere Informationen erhält man auf der SBB Mobile-Seite, ebenso Bildschirmfotos und Videos. Die Installation auf dem Mobiltelefon erfolgt dort nach Eingabe von http://sbb.ch/sbbmobile.
Hafas2go wird seit Oktober 2008 von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) unter dem Namen "SCOTTY mobil" angeboten. Die Software greift, wie in Deutschland und in der Schweiz, auf eine Fahrplan-Datenbank zu, die quasi sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel des Landes enthält.